00:00:00: Kinder-Schutz-Podcast.
00:00:02: Wir hören von den Menschen, die Kinder und Jugendliche schätzen, schützen und starten.
00:00:08: Wir schauen in die Schubladen, die sonst geschlossen bleiben.
00:00:11: Wir liefern wertvolle Informationen
00:00:13: und Tipps,
00:00:15: damit wir hinhören.
00:00:16: Der Kinder-Schutz-Podcast.
00:00:20: Ich grüße alle Zuhörerinnen und Zuhörer zu einer neuen Folge des Kinder-Schutz-Podcastes.
00:00:25: Und ich bin heute in Burum im C-IV.
00:00:33: Aber nein, es ist ZEVIR und steht für Zentrum für interdisziplinäre Regionalforschung.
00:00:40: Und mir gegenüber sitzt der Sebastian Kurtenbach und wundert sich jetzt gerade über diese merkwürdige Einleitung hier.
00:00:47: Sebastian, das wird sich gleich aufklären, warum ich so angefangen habe.
00:00:51: Du bist Professor für Politik, Wissenschaft und Sozialpolitik an der FA Münster.
00:00:55: Du bist extra heute für mich und dem Podcast hier nach Bochum gekommen, was ich ganz großartig finde.
00:01:01: Und jetzt klingelt es wahrscheinlich bei einigen in den Köpfen und in den Ohren und die denken, Kurtenbach, Kurtenbach, Sebastian.
00:01:08: Und dann springt einem so ein rotes Buchcover an.
00:01:12: Und da steht dann drauf, Kinder, Minderheit ohne Schutz.
00:01:15: Das ist ein echter Bestseller geworden.
00:01:17: Das heißt, für alle, die es jetzt erst verstehen, ich sitze einem Bestsellerautor gegenüber.
00:01:23: Freu mich total, dass du dir die Zeit genommen hast.
00:01:25: Nach mehreren Anläufen haben wir es wirklich geschafft.
00:01:29: Und genau, mein Umweg über CIV, weil ... Wir könnten einen ganz anderen Podcast machen, Sebastian.
00:01:35: Wenn man sich jetzt ... Mit dir und deiner Person beschäftigt, dann stolpere ich natürlich erst einmal drüber, wir haben viel gemeinsam.
00:01:43: Du bist nämlich auch Sozialarbeiter, dann hast du auch ein Master in Sozialwirtschaften gemacht und ab da trennt sich unsere Wege.
00:01:51: Weil dein Schwerpunkt war Stadt und Regionalentwicklung, dann hast du promoviert zu leben in herausfordernden Wohngebieten.
00:01:59: Und du hast auch so Bücher geschrieben wie Soziologie der Nachbarschaft.
00:02:03: Und vielleicht müssen wir irgendwann uns nochmal treffen und dann reden wir über Nachbarschaften.
00:02:07: Das finde ich auch ein ganz spannendes Thema.
00:02:10: Aber heute reden wir natürlich über eure sehr gelungene Analyse, der sehr kinderunfreundlichen Politik, die Deutschland seit Jahrzehnten macht.
00:02:19: Und meine erste Frage an dich, lieber Sebastian.
00:02:23: Was war denn eigentlich euer Beweggrund für dieses Buch?
00:02:26: Ihr habt es zu drückgeschrieben, das sollte ich vielleicht nicht ganz unerwähnt lassen.
00:02:29: Zusammen mit Aladin Elmar Valani und Klaus Peter Stromeyer habt ihr das zusammengeschrieben.
00:02:35: Also was war das auslösende Momentum?
00:02:39: Also erst mal, ich freue mich sehr zu Gast sein zu dürfen im Podcast.
00:02:45: Wie sind wir eigentlich auf das Idee gekommen, einen Buch zusammenzuschreiben?
00:02:50: Und dazu muss man wissen, dass wir zu dritt schon vor etwa zehn Jahren einen Sammelband herausgegeben haben.
00:02:56: Auf die Adresse kommt es an und da ging es wirklich um Stadtforschung, also Stadtsoziologische Forschung, wo wir eben auch eine gemeinsame Wurzel teilen als Autoren.
00:03:08: Und eigentlich wollten wir zehn Jahre dann wieder so ein Ding machen.
00:03:11: Was hat sich eigentlich in der Zwischenzeit verändert?
00:03:12: Das war die grundsätzliche Idee.
00:03:15: Und da haben wir uns in Münster getroffen und darüber diskutiert und dann kam aber irgendwie raus.
00:03:21: Also, weil wir alle aus unterschiedlicher Perspektive, was zum Thema Biografien, Aufwachsen, Kindheit machen oder gemacht haben.
00:03:31: Peter Stromer ist ja sehr, sehr lang in seiner gesamten Karriere.
00:03:34: Alder den Emma Verlani sehr stark mit dem Schwerpunkt Bildung und Migration und ich und mit dem Schwerpunkt Räumen von Kindern, und in welchem räumlichen Umfeld wachsen Kinder eigentlich auch.
00:03:47: Und da haben wir uns daneben Tief in die Augen geschaut und vertrauensvoll gesagt, schauen wir ein Buch zusammen.
00:03:53: Und Aladin Inavalani ist ja auch vorher schon Autor im Verlag Kippenheuer und Bitsch gewesen und hat gesagt, ich fragte einfach mal an, ob die daran Interesse haben.
00:04:03: Und so ist das bekommen.
00:04:04: Eigentlich ist eine Idee, einen wissenschaftlichen Sammelband, praktisch einen zweiten Band daraus zu machen, hin zu einer gemeinsamen Monographie.
00:04:15: Ich dachte, du sagst jetzt so was wie, ja, du bist da selber Vater und ärgerst dich total über diese kinderunfreundliche Politik, also das war es nicht.
00:04:23: Ich bin genau, ich hab selber zwei Kinder, zum Zeitpunkt der Plotcastaufnahme, fünf und acht Jahre alt.
00:04:29: Und ich muss wirklich zugeben, dass mir, als wir angefangen haben, das Buch zu schreiben, das Ausmaß, wie kinderunfreundlich diese Gesellschaft ist, nicht klar war.
00:04:42: Auch viele andere ... Dinge, wie wir haben uns im Buchjahr auch den Jagen in dem Jahr einzuschauen.
00:04:49: Das sind nämlich die, deren Kindheit jetzt abgeschlossen ist im Jahr.
00:04:52: Und die werden jetzt achtzehn, was die alles so durchnebt haben.
00:04:56: Das haben wir auch in der Diskussion im Autornteam erst nach und nach wirklich uns klar geworden, dass diese vielen Krisen die Kinder erlebt haben, dass sie die Aller erlebt haben.
00:05:07: in unterschiedlichen Stationen ihres Aufwachsen, weil wir reden immer Kinder wurden Corona so schlecht behandelt oder Kinder haben die Zuwanderung von Flüchteten ganz anders erlebt als Erwachsenen, aber das waren die gleichen zu unterschiedlichen.
00:05:21: Zeitpunkten ihres Aufwachsens.
00:05:24: Und das machen wir uns so wenig klar, dass sie auch das, was wir glauben, was Normalität ist in diesem Land gar nicht erlebt haben.
00:05:31: Und das war für mich, diese Zusammensetzungen aus den Einzelteilen hin zu einer Kronik.
00:05:37: Das war für mich wirklich ein erkenntes Gewinn als Autor.
00:05:43: Ja, ist ganz spannend.
00:05:44: Das ist unser Sohn geboren.
00:05:46: Der gehört genau zu dieser Kororte dazu.
00:05:50: Und jetzt haben wir natürlich schon beide mehrfach Kinderunfreundliche Politik, Kinderunfreundliche Gesellschaft gesagt.
00:05:57: Wenn du das jetzt so präzisieren solltest, woran macht sich denn diese Kinderunfreundlichkeit für dich fest?
00:06:04: Zwei Dinge würde ich mal nennen, die auch eng miteinander verwoben sind.
00:06:09: Es gibt zum einen so eine Kultur, Kindern einfach nicht zuzuhören.
00:06:14: Es einfach nichts tun.
00:06:17: Und selbst wenn man das gesprochene Wort eines Kindes physisch wahrnimmt, macht man darauf nichts.
00:06:23: Das ist ein Irre.
00:06:24: Und das erlebe ich jetzt auch.
00:06:26: Veranstaltung.
00:06:27: Ich bin viel im Land unterwegs.
00:06:29: Veranstaltung immer wieder.
00:06:30: Wir kommen auch junge Menschen dazu.
00:06:32: Wir haben manchmal auch auf Bodien eingeladen.
00:06:34: Und auch in der Moderation, in der Podiumsdiskussion kommen junge Menschen zwar zu Wort, aber... Selbst in der Podiumsdiskussion, wo sie ja schon exponiert werden, wird aus ihrer Perspektive weniger gemacht als von einem Kommunalpolitiker, weiß ich nicht, nicht den Kommunalpolitiker, großen Aspekt davor, aber wirklich daraus etwas zu tun, was eine Sechzehnjähre gesagt, wie es ... so läuft, das schaffen die Übersetzungsleistung offensichtlich der Perspektive junger Menschen.
00:07:07: Das kriegen wir offensichtlich nicht.
00:07:09: Das ist nur der eine Aspekt, das ist nicht zugang.
00:07:13: Und das zweite ist, wir tun immer so, als würden wir Kinder mitdenken.
00:07:19: Das tun wir eigentlich.
00:07:20: Das werden wir im Moment auch in der Diskussion um die Rentenreform.
00:07:24: Alle sagen, ja, also so wie ... So kann es ja irgendwie nicht weitergehen.
00:07:29: Die Ausgaben Bundeshaushalt für den Steuerzuschuss der Rente ist ja so hoch.
00:07:33: Irgendwas muss man ja machen, damit die nachfolgende Generation ja auch noch praktisch Luft zum Agen hat.
00:07:41: Und das sagt man dann immer so.
00:07:43: Und dann, wenn es aber in die Vorlagen für Gesetze oder dergleichen geht, schon bei einem Arbeiten davon.
00:07:50: werden junge Menschen ausgesparten.
00:07:51: Es ist mittlerweile so weit vorangeschritten, dass es sogar innerhalb einer Bundestagsfraktion, wir reden jetzt ganz konkret über die CSU-Bundestagsfraktion, es nicht geschafft wurde, die junge Gruppe innerhalb ihrer eigenen Fraktion überhaupt anzuhören.
00:08:05: Es geht ja gar nicht darum, dass die den Gesetzestext schreiben, sondern ihre Bedenken anzuhören.
00:08:10: Und daraus etwas zu machen.
00:08:12: Also einmal das Zuhören, das andere ist tatsächlich das Mitdenken.
00:08:15: Das tun wir nicht.
00:08:17: Die hört nicht immer.
00:08:19: Es gibt tolle Ausnahmen.
00:08:21: Haken dran, aber strukturell müssen wir sagen, haben wir uns daran gewöhnt, Kinder nicht mitzudenken.
00:08:28: Oder wenn wir sie hören, daraus nichts zu machen.
00:08:32: Und das funktioniert nicht mehr, wenn die Generation so klein wird.
00:08:36: Wir haben doppelt so viele, sechsjährige wie sechsjährige.
00:08:40: in diesem Land.
00:08:41: Und wir haben ein Bildungssystem, was Kindern systematisch halten lässt.
00:08:46: Fünfzigtausend Kinder verlassen jedes Jahr die Schule ohne Schulabschlüsse.
00:08:49: Das sind etwa neun Prozent eines jeden Jahrganges.
00:08:52: Das konnten wir uns vielleicht leisten, als wir viel mehr Kinder hatten, als Arbeitskräfte benötigt wurden.
00:08:58: Das ist aber genau anders.
00:08:59: einen tiefgreifenden Kulturwandler hinbekommen, der mehr kostet als Geld.
00:09:04: Wahrscheinlich ist das auch die viel höheren Kosten, nämlich add Dinge anders zu tun, anders zu denken und eine Gruppe in den Mittelpunkt zu stellen, die Zukunft dieser Gesellschaft
00:09:14: ist.
00:09:15: Das ist ja was, da könnte ich mittlerweile immer fast auf der Hose springen.
00:09:18: Dieses Tonusmäßige, das ist ja auch die Zukunft unseres Landes.
00:09:23: Wenn man das ernst nimmt, dann müsstet ihr spätestens jetzt wirklich was verändern.
00:09:29: Und das kommt dann eben häufig nicht.
00:09:31: Und ich fand, was du beschreibst, war für mich wirklich so einen Moment in diesem Jahr, wo ich glaube, da kann man wirklich Oder hat man das wirklich rein physisch gesehen?
00:09:42: Das war der große deutsche Kinder- und Jugendhilfetag, der ja auch immer vom Familienministerium wirklich einmal in der Legislatur veranstaltet werden muss.
00:09:50: Und da war gerade die neue Familienministerin, die Frau Prinhalts, wirklich ganz frisch im Amt.
00:09:55: Das war, glaube ich, ihr zweiter Tag, ihre erste große Eröffnungsrede.
00:10:00: Und dann hat man sich eben auch auf den Podium umgeschaut.
00:10:03: Und dann heißt das Ding Kinder- und Jugendhilfetag.
00:10:07: Und dann ist da nicht eine minderjährige Person irgendwo auf dem Podium.
00:10:12: Und das hat mich auch wirklich im Jahr zwanzig, zwanzig so geärgert, wo ich gedacht habe, krass.
00:10:16: Und jetzt schafft es ja noch nichtmals.
00:10:20: Die, also das Sprachwort, die Jugendhilfe, und dann schaffen noch nicht mal, wir es da wirklich Jugendliche hinzusetzen.
00:10:28: Und das fand ich jetzt so sehr symbolsträchtig, also für dieses Vergessen.
00:10:33: Ich glaube auch nicht, dass es ein böser Rinde ist.
00:10:35: Ich glaube irgendwie, die sind so Bürgerinnen zweiter Klasse.
00:10:38: Das ist ein gutes Beispiel, weil ich würde auch vielen, auch Politikerinnen überhaupt nicht unterstellen, dass sie kein Presse an den Perspektiven junger Menschen haben.
00:10:48: Überhaupt nicht, also auch Kommunalpolitiker nennen die wirklich, das ist ein Ehrenamt sich in Stadt reinzusetzen.
00:10:54: Aber häufig kennt man die Perspektive junger Menschen nicht und zweitens oder zweitens meint man es irgendwie besser zu wissen, weil man ja selber schon mal jung war.
00:11:03: Das ist ein Adoltismus, den wir häufig... haben, ohne es zu merken, wenn man sich klarmachen würde, wir würden mit älteren Menschen überhaupt nicht umgehen.
00:11:14: Also man muss sich einfach mal so ein Schul-Setting klarmachen in den meisten Schulen, wie wenige junge Menschen da überhaupt mitreden dürfen.
00:11:20: Und ich würde mal gerne einen Mitarbeiter im Jugendamt sehen oder einen Mitarbeiter in einem Ministerium, mit dem man als Arbeitskontext so umgehen würde, wie wir Kinder in der Schule umgehen.
00:11:36: Das würden wir uns nicht gefallen.
00:11:37: Ja,
00:11:37: ich glaube für die Jugendämter, also wenn du jetzt eher so auch Beteiligung und Teilhabe nicht beziehst, dann würde ich sagen... Also hatten wir ja in unserer ASD-Studie, in den Jugendämtern, die wenigsten Mitarbeitenden sich selbst beteiligt fühlen.
00:11:56: Das ist ja eines der Hauptprobleme, ich glaube auch für die, oder sagen wir auf jeden Fall, ein Erklärungszug an die Fluktuation, die starke, die wir dort haben, dass sie zum Beispiel mit Dokumentationsmaterialien, mit Checklisten arbeiten müssen, die gar nicht.
00:12:08: pädagogisch erarbeitet worden sind, sondern fachfremd den vorgesetzt worden ist.
00:12:13: Also das wäre jetzt so für mich ein Beispiel, wo man hier zum Beispiel auch Fachkräfte nicht beteiligt.
00:12:18: Und dann war halt auch unsere Schlussfolge, wo wir festgestellt haben, oh, die beteiligen die Kinder nicht wirklich, obwohl das ja... Das rechtlich müssen Kinder auch in der eigenen Unterstützung ja gefragt, gehört, beteiligt werden und nicht nur gehört, sondern schon auch ernst genommen werden.
00:12:33: Und es passiert in der Realität ja leider viel zu selten.
00:12:36: Und dann haben wir festgestellt, okay, es beteiligt nur jemand, der sich selber beteiligt fühlt.
00:12:41: Und das wäre jetzt schon mal für mich immer eine Idee, wie man es schon mal besser machen könnte.
00:12:47: Aber in der Schule vielleicht kannst du das nochmal konkretisieren.
00:12:49: Also was du jetzt so problematisch an dem Setting Schule findest.
00:12:53: Also, was du gerade gesagt hast, das ist total plausibel.
00:12:56: Aber das ist schon ... Da wären wir schon ziemlich weit.
00:13:00: Ich meine so etwas wie ... Welche Farbe hat die Wand eigentlich?
00:13:06: Wie darf ich im Stehen schreiben oder im Sitzen die ganze Zeit?
00:13:12: Welche ... Wo darf ich eigentlich sitzen?
00:13:14: Also, dass es Kinder und Jugendliche sind, bis sie das Schulsystem verlassen.
00:13:20: Sehr vielen ... Vorgaben und auch Normalitätsvorstellungen von Erwachsenen ausgesetzt, ohne dass sie da irgendein etwas mitentscheiden können.
00:13:30: Das fängt auch an, wann man welchen Unterricht hat und es wird alles vorgegeben.
00:13:34: Und ich glaube, wenn wir jetzt ... jemanden, der, sagen wir, einen Familienministerium arbeitet, also von acht Uhr bis acht Uhr, von vierzig bis neununddreißig machst du das, dann hast du zehn Minuten Pause.
00:13:48: Und dann teile ich deinen Tag weiter in den neunzen Minuten aus.
00:13:51: Und das ist auch ganz gut für dich.
00:13:53: Wir würden, ich glaube ich, da auch eine sehr hohe Fluktuation in den Jobs erleben.
00:13:58: Und das ist auch zu Recht.
00:13:59: Aber selbstverständlich gehen wir so mit Kindern um.
00:14:02: Und das sind ja schon die, das sind erstmal schon so Kleinigkeiten, ne?
00:14:07: Also, wenn ich da jetzt mal direkt reingehe, dann, ich höre jetzt schon einige Jahre, aber so war das ja bei uns auch, hat uns auch nicht geschadet.
00:14:14: Das ist ja auch so ein Supersatz eigentlich, ne?
00:14:16: Ja,
00:14:16: das geschah, das weiß man nicht, weil man es eigentlich anders gemacht hat.
00:14:20: Und das ist ja nochmal, wir haben heute ein Bildungssystem, wo uns einfach fast die Dezente Kind drin schreit hat.
00:14:27: In der Zeit, wo wir das einfach nicht mehr leisten können.
00:14:30: Also deswegen von alten Glaubenssätzen zu arbeiten, das funktioniert nicht mehr.
00:14:34: Auch Kindheit hat sich wirklich verändert.
00:14:36: Also früher waren wir auch nur bis zwölf in der Schule, was man da nicht gemacht hat, die Mutter zu Hause ausgeglichen.
00:14:42: Vielfach.
00:14:43: Das funktioniert nicht mehr.
00:14:44: Die Kinder sind bis sechszehn Uhr in der Schule häufig.
00:14:46: Und dann muss auch in der Schule ... Auch im Nachmittagsbereich, dass er lernt werden, was abgeprüft wird.
00:14:51: Und wenn das nicht funktioniert, dann muss es da auch Unterstützungssysteme geben.
00:14:56: Und auch Kindheit heute von der Migrationsprägung ist eine komplett andere, als es vielleicht nur vor zwanzig Jahren der Fall war, wo man einige Kinder von Gastarbeiter in der Schule hatte, wenn man in Wester schon aufgewachsen ist.
00:15:08: Aber das war es dann auch.
00:15:09: Heute reden wir von Superdiversität.
00:15:11: Das heißt, wir haben es mit einer Rotsprachvielfalt in Schulen zu tun, in Klassen zu tun, Kinder sprechen mehrere Sprachen, haben zum Teil zwei Pässe und so weiter.
00:15:20: Also man hat es nicht mehr mit der Große zu tun und außerdem ist auch die Ungleichheit qualitativ anders geworden.
00:15:26: Es ist nicht nur ein Kind hat weniger oder mehr vom Gleichen, sondern es sind abgekoppete Lebenswelten.
00:15:30: Es ist nicht mehr nicht mehr nur so, dass man nur von armen zu betroffenen, nicht armen zu betroffenen Kindern ausgehen kann, sondern auch die Normalität den Kindern, die Kinder aufwachsen haben sich so stark voneinander.
00:15:40: und haben es so stark auseinanderentwickelt, dass wir von fragmentierter Kindheit ausgehen.
00:15:46: Kannst du das vielleicht ein bisschen präzisieren?
00:15:48: Also superdivers, also dieses superdiversen und dann diese fragmentierten Kindheiten, was ihr damit genommen habt.
00:15:55: Also superdiversität, das kommt ja aus der Migrationsforschung von Steven Werthorweck, britischer Migrations-Symbologe, und der hat dann festgestellt, weil es in London unterwegs war damals, kommt es aus der migrationsbezogenen Stadtforschung, dass es in manchen Stadtteilen in London keine Mehrheiten mehr gibt, also keine Gruppe, die mehr als fünfzig Prozent hat.
00:16:21: Und das kann man übertragen auch auf alle andere Zettics.
00:16:24: Muss nicht Stadtteil sein, kann auch zum Beispiel Schulklassen sein.
00:16:27: Das ist interessant, wenn man in so eine durchschnittliche Grundschule, sagen wir mal, in meiner Geburtstadt Köln geht es.
00:16:35: Und eine durchschnittliche Grundschulklasse sich in... einem durchschnittlichen Stadtteil in Köln anschauen.
00:16:41: Wir reden jetzt nicht über Kalkbosch bis zu einem durchschnittlichen Stadtteil.
00:16:44: Dann ist die... Dann
00:16:45: fangen
00:16:45: wir wohl weiter.
00:16:47: Dann haben wir es damit zu tun, dass die Diversität, und damit meinen wir nicht Migrationsintergrund, sondern Sprachkompetenz von mir aus auch den Pass-Religions-Zugierigkeit und so weiter, in jedem durchschnittlichen Grundschulklasse.
00:17:00: in einer Grundschulklasse in Holwalde wesentlich höher ist als in meinem durchschnittlichen DAX-Vorstand.
00:17:06: Das eine sind aber international operierende Unternehmen und das andere ist die Normalität der Zukunft dieser Gesellschaft.
00:17:15: Und wenn wir dann in diese Klassen nach Rhein gucken, dann merken wir, es gibt keine Gruppe mehr, die über fünfzig Prozent hat, die so eine Normalität, also katholisch, weiß gelesen.
00:17:27: Fünfte Generation auf den Friedhof in Holwald.
00:17:30: Also das gibt es nicht mehr.
00:17:32: Das ist völlig normal.
00:17:33: Und wenn man dann Kinder fragt, du hast eigentlich ein Flüchtlingskind bei dir in der Schule.
00:17:38: Da gucken die einen an und denken, keine Ahnung, das sind andere Kinder.
00:17:43: Die können halt fünf fragen oder so.
00:17:45: überhaupt nicht jetzt schlicht liegen oder sind, das ist doch irgendwie egal, der ist gut auf die Bord.
00:17:49: Dann habe ich gerne in meiner Mannschaft mit mir Fußball spielen.
00:17:51: Und diese Problematisierung von Migration ist etwas, was total adultistisch ist.
00:17:57: Das machen wir noch richtig gerne, weil sie damit Wahlkämpfe führen.
00:18:02: Aber für Kinder spielt das überhaupt keine Rolle.
00:18:04: Dann wird es mal super Diversität.
00:18:07: Und Fragmentierung ist die zur Kenntnisnahme, dass wir es einfach verpasst haben in den letzten Jahrzehnten, was ernsthaft gegen ungleiche Kindheiten zu tun ist im Land.
00:18:17: Und das hat Effekte.
00:18:19: Also wir wissen ja schon seit den späten siebziger Jahren, dass das auch Wachstum in Armutsbezügen einen Benachteiligen-Effekt haben.
00:18:26: Wir können es seit den achtziger Jahren, spät nachziger jahrelang schlüpstig nachweisen.
00:18:30: Die ersten Arbeiten davon gehen sogar zurück in die zwanziger Jahre.
00:18:33: Also seitdem gibt es aber die empirischen Befunde und wir haben es nicht getan, sogar in Zeiten wirtschaftlicher Prosperität die Kinderarmutsquote zu senken.
00:18:43: Also wie Kinderarmutsquote ist, wie betoniert bei zwanzig Prozent.
00:18:46: Ich schlag mich nicht um ein Prozent roger oder unterer Entschrankung in den letzten Jahrzehnten, aber da sind wir, auch in der Zeit, wo es wirtschaftlich richtig gut lief.
00:18:55: Und das hat aber dazu geführt, dass... Kind heiten entstanden sind, die wenig miteinander zu tun haben.
00:19:01: Bleiben wir in Köln.
00:19:02: Ein Kind, was in Köln Korbwale aufwächst, hat relativ wenig damit zu tun, weil ein Kind, was in Köln Walden aufwächst.
00:19:08: Die haben vielleicht noch einen gleichen Bezugspunkt und ist nicht die ersten FC Kölnens.
00:19:11: Aber danach hört es ganz schnell auf.
00:19:13: Das meint ein Aspekt von Fragmentierung.
00:19:17: Anderer ist natürlich Kinderwachsen in unterschiedlichen Familien aus und das meint eben nicht nur... Geld, sondern eben auch Zeit und Fertigkeiten.
00:19:26: Kinder gehen in unterschiedlich ausgestattete Schulen oder Kitas mit unterschiedlich motivierten Personal.
00:19:34: Kinder haben unterschiedlichen Zugang zu informellen Lernwelten.
00:19:37: Das können Spielplätze sein, aber auch Vereine und so weiter, aber auch relevante andere.
00:19:43: Wir wissen ja gerade aus Bildungsaufstiegsstudien, dass Es eigentlich immer irgendwann gab, außerhalb der Familie, der es gut mit einem meinte, ein Lehrer, der aus so einer Rolle rausgewachsen ist, ein Trainerin, die auch mal gefragt hat, wie der auf seine Schule und so weiter, solche wichtigen Weg begleitet hat.
00:19:58: Das kann mal ein Puls gewesen sein, das kann mal jemand sein, der einen für eine längere Zeit begleitet hat.
00:20:04: Diese Zugang zu diesen relevanten anderen, die sind einfach so unterschiedlich mit der Rede von Kindern und nehmen das alles zusammen, haben sich fragmentierte Kindheiten entwickelt, die einfach wenig miteinander zu tun haben, die auch nicht mehr die selben Symbole teilen und so weiter.
00:20:18: Das heißt, es ist nicht einfach nur weniger oder mehr vom Gleichen.
00:20:22: Ja, also ich habe es wirklich auch mit großem Interesse gelesen und wer es noch nicht gelesen hat, das ist wirklich auch sehr, sehr gut lesbar, was sicherlich auch ein Grund dafür ist, dass das ein Bestseller geworden ist.
00:20:34: Also was?
00:20:36: Ja, dann schon, weil du hattest ja gerade diese Generation, sieben geboren, angesprochen.
00:20:43: Und dann würde ich sagen, was vielleicht so eine Art verbindendes Element ist, bei diesen doch sehr, sehr fragmentierten, superdiversen Kindheiten, ist der Aufenthalt in der Digitalität.
00:20:55: Aber auch da ist natürlich, wo sind die denn jetzt?
00:20:57: Also da haben wir natürlich so diese Gamer-Community und dann diese, die da schon irgendwie E-Sports machen.
00:21:05: natürlich auch die Tatsache, dass nur achtzehn Prozent der Eltern überhaupt irgendwie sich dafür interessieren, was Kinder eigentlich dann wirklich auch virtuell machen, wo sie sich befinden und nur achtzehn Prozent der Eltern ist wirklich nicht.
00:21:21: finde ich erschreckend, haben überhaupt so eine Art Kindersicherung oder Artsprachen getroffen.
00:21:26: Das ist jetzt ein Wert.
00:21:27: Ich war auf dem großen Internet-Suchtforum in Österreich und habe wirklich erschreckende Dinge gelernt.
00:21:32: Können wir später noch mal darüber sprechen.
00:21:34: Es gibt jetzt Pseudoautismus, fand ich total bruselig.
00:21:37: Und die haben halt auch so herausgefunden, dass da halt das Suchtzentrum so krass aktiviert worden ist, dass man das wirklich im MRT abbilden kann.
00:21:45: Und das ist natürlich was.
00:21:47: Das habt ihr jetzt auch gar nicht so euch angeguckt, aber da dachte ich gerade krass.
00:21:50: Jetzt ist es so unterschiedlich geworden.
00:21:53: Aber das ist was, was ja eben sich auch verändert hat.
00:21:57: Also wenn ich noch mal immer an diesem blöden Satz, ja es hat uns früher auch nicht geschadet oder früher war es genauso schlimm oder ich war auch mal Kind, dann würde ich sagen, dann kommt das ja nach oben drauf.
00:22:07: Neben den ganzen Krisen haben wir jetzt auch noch junge Menschen, die eigentlich algorithmisch stundenlang ausgesetzt sind, die ja nichts anderes tun als dich da irgendwie behalten zu wollen.
00:22:18: Und das ist ja was, was?
00:22:20: du bist jetzt noch sehr viel jünger als ich, aber auch in deiner Kindheit war das ja nicht so.
00:22:24: Also, wir hingen nicht derartig fasziniert bei diesem Taschencomputer.
00:22:29: Ja, aber da würde ich immer sagen, das zu problematisieren ist richtig, gar keine Frage.
00:22:36: Auf der einen Seite, auf der anderen Seite, jetzt denken wir uns das mal kurz mal weg.
00:22:40: Was wäre dann eigentlich?
00:22:42: Also, wir sehen ja, dass Kinder und Jugendliche einen unglaublichen Zukunftspessimismus teilen.
00:22:48: In verschiedenen Studien kommen es immer wieder raus.
00:22:50: Einmal die eine oder andere Ausreißerstudie, aber insgesamt kommen uns das raus.
00:22:54: Und ich interpretiere das so, dass dieses, weil nicht nur jungen Leute viel an auf Social Media hängen, auch Leute, die in den zwanziger, dreißiger sind und auch ältere, ist das so, dass es nichts Exklusives für Kinder und Jugendliche, sondern ich interpretiere es so, es ist ein Fluchtwelt.
00:23:13: Es ist etwas, wo wenn sich hinwendet, wenn die Zugungsaussichten einfach gering sind.
00:23:20: Und das muss ein Wahnsinn sein.
00:23:22: Wenn das nämlich nicht wäre, dann hätten wir es wahrscheinlich eher damit zu tun, dass wir entweder verstärkt andere Süchte hätten oder wir es mit viel mehr Aufstand zu tun bekommen könnten.
00:23:32: Beides ist nichts, was wir präferieren, aber es muss ja ein Aufruf sein, etwas zu ändern.
00:23:39: Warum ist die analoge Welt für Kinder und Jugendliche weniger interessant?
00:23:44: Wir sagen, Ihr flüchtet euch in eine Welt und das finden wir doof.
00:23:49: Aber was wir Ihnen anbieten, gucken wir uns doch mal an, wie die Alltagsorte von Kindern gestaltet sind, Schulen und so weiter.
00:23:57: Es gibt tolle Schulen und so weiter.
00:23:59: Aber die Ausgestaltung ist offen den ganzen Tag.
00:24:02: Welche zusätzlichen Angebote gibt es eigentlich rund um Schulen?
00:24:06: Dann fällt es einem manchmal auch gar nicht mehr so schwer nachzuverziehen, warum digitale Welten für viele Jugendliche vielleicht... doch ansprechender sein kann.
00:24:15: Ja, will ich natürlich
00:24:17: sagen, er ist doch tolle Fente, die Literatur als Eskapismus.
00:24:21: Aber ja, also ich kann dir total folgen, ganz spannende Aspecne, also ich sage, wir könnten eigentlich noch einen ganz anderen Podcast machen.
00:24:28: Du hattest ja gerade schon gesagt, diese Zukunftspassimismus, die auch in Studien nachgewiesen ist.
00:24:32: Also mir ging jetzt gerade direkt durch den Korps, Jugend in Deutschland von Schnetzer-Hambel und Hohelmann.
00:24:39: Da würde ich gerne noch mal mit dir auch noch mal anders rausschauen, weil wenn wir uns jetzt überlegen, also jetzt die amtierende Regierung, die adressieren ja Kinder und Jugendliche auch nicht wirklich.
00:24:52: Welche Gefahren siehst du denn darin, wenn man jetzt politisch Kinder oder Minderjährige so gar nicht adressiert?
00:25:00: Du meinst politisch für ... Dafür, wie Kinder dann aufwachsen?
00:25:09: Also ich würde jetzt eher, deswegen hatte ich jetzt gerade Jugend in Deutschland die Studie in den Kopf bekommen, weil da steht ja ein Aspekt drin, also wenn demokratisch legitimierte Parteien einfach Kinder und Jugendliche nicht adressieren, dann ist Demokratie vielleicht auch nicht mehr spannend für die und damit steigt die Gefahr, dass sie sich für andere Parteien interessieren oder auch für andere Staatsformen, also sich hier eher angesprochen fühlen.
00:25:34: Also ich bin dann also ein bisschen skeptisch zu glauben, dass das Problem der Demokratie von Jugendlichen und jungen Menschen ausgeht.
00:25:43: Wenn das der Fall wäre, hätten wir nicht das große Problem, weil die Wählerzahl nicht so groß ist.
00:25:47: Die Wählergruppen liegen schlichtweg auch woanders und muss man mal sehr aufs Bundesland gucken, aber es sind auch einfach nicht... der Fall, dass beispielsweise rechtsextreme Parteien so viel mehr von jungen Leuten gewählt werden.
00:26:02: Das ist so ein Entlastungsargument, was immer genommen wird.
00:26:06: Die eher die Sorge, die damit verbunden geht, ist, dass man überwählen geht.
00:26:12: Da sehen wir aber durchaus, dass die Wählermobilisierung in den letzten Wahlen junger Menschen durchaus funktioniert hat.
00:26:19: Auf jeden Fall nicht schlechter als vorher.
00:26:22: Deswegen würde ich eher dann sagen, das ist so eine Entlastungsdebatte, so würde ich es eher sehen.
00:26:31: Die Idee ist ja immer, der Demokratie gehen die jungen Menschen verloren.
00:26:36: Dazu sehe ich nicht genug Evidenz, aber auf der anderen Seite sehe ich dann auch nicht genug, wenn die Sorge wirklich so groß wäre, da auch nachzusteuern, also mit tatsächlicher Beteiligung von jungen Menschen oder auch... ist auszuhalten, dass junge Menschen da sind und was sie mit aushalten.
00:26:54: Meine ist gar nicht nur unbedingt ihre Repräsentation in politischen Grämen hinten, sondern im Alltag.
00:27:01: Wir machen mal ein Gedankexperiment jetzt mal.
00:27:03: Ein Abends um zwanzig Uhr trifft sich in Köln-Holweide an der Bushaltestelle eine Gruppe von, sagen wir mal, fünfzehnt, sechzehnjährigen.
00:27:16: Die machen ganz, die stehen da einfach.
00:27:19: Ich wählte mit dir, dass die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb von einer halben Stunde Blaulicht in der Szene zu sehen ist, relativ hoch ist.
00:27:28: Also zum Beispiel, die Polizei kommt nach dem rechten Zug.
00:27:33: Wir sind jetzt in einem Gedankenexperiment und in einem Paralleluniversum trifft sich zur gleichen Zeit im gleichen Ort eine Gruppe von fünfzehn- sechzigjährigen.
00:27:42: Die Wahrscheinlichkeit, dass ... Blaulicht nach einer halben Stunde zu sehen ist, immer nach dem Rechten zu gucken, ist wesentlich geringer.
00:27:51: Das heißt, wir halten es gar nicht aus, dass wir junge Menschen so sichtbar haben, weil die sind ja gar nicht in ihren pädagogischen Sonderumwelten, wo wir sie gar nicht hören und gar nicht sehen, sondern ich glaube, Alleine das Aushalten dafür, dass sie Präsenz sind, sich zeigen, vielleicht auch Interessen haben, die auch äußern, vielleicht auch nicht Konkurrenz sind mit den Interessen von älteren Menschen unbedingt oder mit anderen Gruppen, das fällt uns schwer.
00:28:22: Also du meinst, dass dann zum Beispiel die Nachbarschaft die Polizei geholt hätte, obwohl gar nichts passiert, einfach weil da junge Menschen stehen, okay?
00:28:32: Spannend.
00:28:32: Okay, damit wir natürlich sagen, also eine pädagogische Sonderwelt ist auf jeden Fall in der Krillenarkane, weil ... Okay, das habe ich auch geglaubt.
00:28:39: Ob die pädagogisch ist, das würde ich sagen, entspricht der jeweiligen regionalen Kultur.
00:28:45: Ja, okay, aber wenn ich dich richtig verstehe, dann meinst du ja, dass zu einem normalen Anblick bei uns schon gar nicht mehr so viele junge Leute dazu gehören.
00:28:56: Das heißt, wir haben also so eine ... Also wenn ich es mal jetzt finish formulieren würde, wirklich so eine alte Gesellschaft, darf jetzt eine Anläuferung von Jugendlichen schon wieder eher als bedrohlich, weil fremd.
00:29:09: Gut.
00:29:09: Ja,
00:29:09: okay?
00:29:09: Das ist ein Problem, was ich sehe.
00:29:11: Okay.
00:29:12: Außerhalb von geframten Events, Besporen oder dergleichen.
00:29:16: Einfach nur abends um achtzehn Uhr ist kein wieder, kein Kötch, sondern die Stine einfach.
00:29:22: Und dann könnten wir jetzt natürlich noch wirklich, also in das Gedankenexperiment, also ist das jetzt gemischt geschlechtlich oder, und sind die alle, also da sind jetzt auch nicht nur blonde junge Menschen, und okay, also das ist eher spannend.
00:29:39: Krass, okay.
00:29:41: Sebastian, ich bin natürlich auch hier um dich ein bisschen zu ärgern, du hast es schon fast befürchtet, weil wir könnten den Zuhörenden auch verraten, dass wir uns in März diesen Jahres, zum ersten Mal begegnet sind, da warst du erfreulicherweise so ganz in Leif und Farbe bei uns an der Hochschule und hast eine Lesung auch zu dem roten Buch, zu der Bestseller gemacht.
00:30:01: und da hat dich eine Frage von mir schon damals total in Schwitzen gebracht.
00:30:06: und da ich ja auch ein bisschen gemein bin, stelle ich dir jetzt
00:30:09: einfach die Frage nochmal.
00:30:12: Weil, also da steht ja jetzt Minderheit ohne Schutz.
00:30:16: Und dann komme ich natürlich jetzt mit meiner Kinderschutzperspektive und hatte dich da ja schon gefragt, also dafür, dass ihr da die Vokabelschutz draufstehen habt, habt ihr eigentlich keinen Kinderschutzengedacht drin?
00:30:32: Warum nicht?
00:30:33: Weil es auch mit dem Publikum geht.
00:30:35: Also du arbeitest ja sehr stark.
00:30:38: und auch sehr erfolgreich in den Bereich der Jugendhilfe.
00:30:43: Das findest du in dem Buch so gut wie dich.
00:30:46: Das umgehst nicht.
00:30:46: Es geht um die gesellschaftliche Position von Kindern.
00:30:50: Und da müssen wir sagen, wenn wir darüber nachdenken, dann geht es gar nicht darum, um den Kinderschutz in engeren Sinne, sondern um den Minderhaltenschutz.
00:30:59: Weil Kinder sind in der alteren Gesellschaft zu einer strukturellen Minderheit.
00:31:03: Dass sie weniger war, das war schon vorher so.
00:31:06: Aber dass auf die wenigen so wenig Rücksicht genommen wird, das ist neu.
00:31:09: Und deswegen braucht es neue Mechanismen des Minderhaltenschutzes für Kinder, so umdenken.
00:31:17: Und deswegen heißt das, ruft dann auch, so wie es heißt, damit es auf diesen Minderhaltenschutz abzieht.
00:31:24: Und das heißt ... Das ist immer das Gleiche beim Minderheitsschutz.
00:31:28: Eine Gruppe, die sonst nicht berücksichtigt wird, wird aufgrund ihrer Größe und ein paar anderen Attributen, wie das man sich ernst nehmen muss und so weiter, wird qualitativ aufgewertet.
00:31:39: Das heißt, sie werden eigene Institutionen geschaffen, die dazu führen, dass man in den Entscheidungsprozessen auch tatsächlich zuhört.
00:31:47: Das meint der Minderheitsschutz, den wir auch tatsächlich brauchen für junge Leute.
00:31:52: Wir haben so ein paar Pseudogremien, aber das reicht nicht.
00:31:54: Wir brauchen zwei Dinge, Kinderrechte ins Grundgesetz.
00:31:58: Das Zweite ist tatsächlich Gremien wie Zukunftsräte, wie wir sie vorstellen, oder das schlagen wir gar nicht selber vor, sondern es sind Vorschläge einer Hamburger Juristin, die das ausgearbeitet hat.
00:32:12: Das heißt, es ist neben einem Parlament oder am Stadtrat eine Gruppe junger Menschen zusammenkommt, wie sie zusammengesetzt wird, ob sie gelost wird, gewählt wird, und so weiter gibt es verschiedene Möglichkeiten.
00:32:24: Und diese Gruppe hat das Recht, zu allen anstehenden Entscheidungen eine Stellungnahme zu erarbeiten, Experten ins Land und so weiter, eine Stellungnahme zu erarbeiten.
00:32:33: Und das Beschlussfach ist in der Cremium, also zum Beispiel der Bundestag, müsste sich vor einer Entscheidungsfindung mit dieser Perspektive öffentlich auseinandersetzen.
00:32:42: Und ich habe ein positives Bild von Politikern.
00:32:44: Ich glaube, dass sie da einiges von aufnehmen würde.
00:32:46: Weil, wie häufig, wir gucken uns um die alte Struktur von Reden beispielsweise an.
00:32:52: Die ist ziemlich überalltakt.
00:32:53: Die sind Menschen, die häufig gar nicht die Perspektive junger Menschen tatsächlich kennen und sie sich gar nicht gewohnt sind, sich dazu zu verhalten.
00:33:00: Da wir kämen einen Schritt weiter.
00:33:03: Klassisches Instrument, das ist von der Grundidee.
00:33:05: Klassisches Instrument ist Mineralenschutz.
00:33:07: Das brauchen wir auch für Kinder.
00:33:10: Okay, also nichtsdestotrotz, wenn wir jetzt eher eine weite Perspektive vom Kinderschutz einnehmen, dann würde ich ja trotzdem auch sagen, es geht ja hier schon um eine krasse, strukturell staatliche Benachteiligung von Bürgern und Bürgerinnen in diesem Land, die halt jetzt auch nur noch eine Minderheit sind, aber deren Rechte auch nicht wirklich adäquat ernst genommen werden und dadurch werden sie auch nicht umgesetzt.
00:33:38: Du hattest da gerade gesagt, Kinderrecht ins Bund gesetzt, bin ich natürlich auch total dabei.
00:33:42: Ich war jetzt sehr positiv überrascht, weil das war auch eine der Forderungen vom Kinderschutzgipfel im letzten Jahr und auch quasi unsere Forderung Nummer eins, nämlich die Einführung einer Kinderbeauftragten in Deutschland.
00:33:56: Das ist ja jetzt am vierzehnt November passiert.
00:33:58: Was versprichst du dir jetzt von der Kinderbeauftragten?
00:34:03: Wir müssen sehen, welche ... Instrumente, die tatsächlich entwickeln wird, um diese Beteiligung von jungen Menschen in Entscheidungsmomenten hinzubekommen.
00:34:16: Es wird relativ wenig bringen, glaube ich, wenn das einfach in den Einmal im Jahr ein Bericht über die Situation findet.
00:34:23: Kinder in diesem Land gibt, das hilft uns als Wissenschaftler immer weiter, weil wir weitere Quelle zu zitieren haben und die Tagesschauern hat dann vielleicht auch noch eine Meldung mehr.
00:34:33: Aber das war es dann auch irgendwann.
00:34:37: Ich glaube, der stärkste Proof praktisch, der Arbeit wird sein, wie fern die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in Entscheidungsmomenten und Entscheidungsprozessen tatsächlich eingebunden wird.
00:34:53: und nicht alleine in eine Lage Beschreibung zu gehen.
00:34:57: Das ist ein wirklich schwieriges Feld, das ist mir bewusst.
00:35:01: Aber wenn man sich den Weg der Kinder beauftragten geht.
00:35:05: dann begebt man sich eben auch das Terror, dass es nicht nur darum geht, Schirmherrschaften aufzunehmen, sondern auch tatsächlich dann, wenn es hart auf hart kommt, auch in politisch schwierigen Momenten, wie beispielsweise in Rentenreform zu sagen, wir hören jetzt auch an jungen Menschen zu und nehmen, ich achte darauf, dass das auch wirklich ernst genommen
00:35:24: wird.
00:35:25: Genau, und letztendlich müsste dann auch aus der Best-Interest auch der Child-Perspektive gedacht werden.
00:35:31: Also das wäre ja dann eher ... Also da bin ich eher skeptisch, ob es jetzt, ich sag mal, schwedisch ausgestaltet wird.
00:35:37: Das Amtball in Schweden, hast du ja Kinderbeauftragten, der auf jedes Gesetz guckt, bevor es wirklich umgesetzt wird, was nützt ist der nachwachsenden Generation.
00:35:49: Und wenn das Gesetz hier nicht irgendwie in diese Richtung geht, dann hat er ja auch die Gelegenheit, den Stimmung nicht zu.
00:35:57: Das ist ein sehr mächtiges Amt, was übrigens auch mit der Grundwahl, warum in der Pandemie Schweden diesen sogenannten Sonderweg gehen konnte.
00:36:04: Aber genau diesen Check, praktisch, könnte man den nahe kommen, zumindest, wenn man Kinderrecht im Grundgesetz hätte.
00:36:12: Und jeder, der immer sagt, das braucht man nicht, habe ich auch schon gehört, dann sage ich immer, da braucht man keine Frauenrecht im Grundgesetz.
00:36:19: würde ich mich nicht anstehen und bitte nicht falsch zitieren.
00:36:22: Aber man könnte rein formal richtig sagen, da stehen alle Menschen vom Gesetz gleich Ende vom Lied.
00:36:28: Aber da steht nicht umsonst auch andere weiter hin drin.
00:36:33: Und da gehören auch Kinder rein.
00:36:35: Weil sie eine Minderheit sind.
00:36:37: Weil sie eine Minderheit sind und zwar sowohl quantitativ sowie qualitativ.
00:36:42: Und das muss man
00:36:43: aufwärmen.
00:36:45: Sebastian, wir sind schon auf der Zielgraden.
00:36:48: Jetzt hattest du ja gerade schon auch zwei Aspekte genannt.
00:36:50: Und jetzt stell dir vor, ich sei Friedrich Merz.
00:36:56: Was würdest du mir denn jetzt noch mitgeben wollen als Bundeskanzler, was ich vielleicht verändern sollte in meiner Politik?
00:37:04: Jürgen, Menschen, wirklich zuhören.
00:37:08: Und sich dafür einzusetzen, dass ihre Rechte verfassungsrechtlich verbrieft werden.
00:37:15: und eine tatsächlich ergebnisoffene Diskussion darüber führen, wie wir die sozialpolitische Schieflage, die sich entwickelt hat, ausgleichen bekommen.
00:37:24: Jeder.
00:37:26: Jede Dritte Steuer Euro ist mittlerweile im Budget des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.
00:37:32: Und da der große Löwenanteil ist der Steuerzuschuss in die beitragsfinanzierte Rente.
00:37:37: Wenn wir uns einen normalen Rentenbescheid anschauen, ist ja welcher Wahl.
00:37:41: zu einem Drittel bezahlt auch Steuerwäder.
00:37:43: Das geht so nicht weiter.
00:37:45: Das muss man einfach so deutlich sagen.
00:37:46: Und das wissen auch alle.
00:37:47: Also auch alle Ökonomen von links bis konservativ sagen das, wenn man mit den Rentenpolitischen wenn man das Sozialbudget sich anschaut, ist es evident.
00:38:01: Und ich habe auch den Eindruck, wenn man tatsächlich mit älteren Menschen darüber redet, die verstehen es auch, dass das so nicht weitergeht.
00:38:11: Aber da den politischen Mut auch zu nehmen und zu sagen, ja, das ist zwar eine große Wählergruppe, aber wir müssen über einen Dialogverfahren wie auch immer dahin kommen, dass wir diesen Teil, zumindest das Anwachsendverwalter, wirklich verhindern.
00:38:29: Und ich glaube auch, dass das Koalitionspartner von Friedrich Meher, der SPD, sich auch auf einen.
00:38:34: solchen Dialogverfahren einsetzen würde.
00:38:38: Und wenn es dann bedeuten würde, dass wir die vielen Dutzend verschiedene Rentensysteme plural in diesem Land zusammenfassen oder zumindest in der Anzahl reduzieren.
00:38:47: Wenn das ein Weg wäre, dann kämen wir ein Stück weiter.
00:38:50: Aber so wie es ist, kann es nicht weitergehen.
00:38:57: Ich
00:38:59: glaube, für den Kinderschutz ist es ganz wichtig, dass wir die Alltagsorte von Kindern wesentlich diverser gestalten als heute.
00:39:06: Schulen sind abgeschottete Sonderumwelten, da muss Gesellschaft stattfinden.
00:39:11: Das heißt, eine wirklich strukturelle Kooperation mit Vereinen, mit kulturellen Einrichtungen, Zahneinrichtungen usw.
00:39:20: aus dem Stadtteil, im Stadtteil, für den Stadtteil.
00:39:22: Und zwar eine Art... Gemeindezentrum, Communitycenter.
00:39:26: Wir können rund um den Alltagsort von Kindern, damit Kinder wirklich im Mittelpunkt stehen.
00:39:31: So was ist uns abhanden gekommen, als die Kirchen ihre Funktionen, also diese Art von Mittelpunkt-Ort verloren haben.
00:39:38: Wir brauchen wieder solche Gemeinschaftsorte, um den rund um Kinder aufzubauen, ist ein ganz wichtiger Aspekt.
00:39:44: Die Generationen-Solidarität, die wir haben, also die Umfragen zeigen uns ja, Dass Kinder und Jugendliche überhaupt nichts davon halten, die Renten zu kürzen oder schlechte Pflege umgekehrt finden, ältere Leute auch nicht gut, wenn der Schulklug stinkt.
00:39:57: Sondern es gibt durchaus auch die Idee von... Und eine Ressource von Generationen, Solidarität, das nutzen.
00:40:04: Wenn wir es schaffen würden, dass in zehn Prozent der Boomer-Generationen, die jetzt in Rente geht, sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen, welcher Form auch immer, hätten wir mehr engagierter als pädagogisches Personal in Kita zum Grundschutz sagen.
00:40:15: Das ist ein Schatz, den kann man heben.
00:40:17: Das dritte ist, Kinder und Jugendliche tatsächlich zuhören, Beteiligungsgremien schaffen, die nicht nur in Feigenwerkbeteiligungen sind, sondern tatsächlich in Entscheidungsmomenten eingreifen können.
00:40:28: Da könnten wir doch eigentlich dann lokal, weil du bist ja von Haus aus vor allem an Stadtentwicklung, Regionalforschung interessiert, könnte man dann nicht sagen, in den Gemeinderäten, in den Kommunalparlamenten müssten wir jetzt auch einfach stimmberechtigte Mitglieder im Kinder- und Jugendhilfeausschuss mal mit Minderjährigen besetzen.
00:40:48: Wäre das auch eine Möglichkeit?
00:40:50: Ich bin kein Jurist.
00:40:51: Das muss ich ganz deutlich dazu sagen.
00:40:53: Aber es ist zumindest eine... Denkfigur, die man schlichtweg mal durchspielen, müsste ich festlegen, ob es genau das Instrument sein müsste, was die betragende Stimmrechtes angeht.
00:41:07: Zumindest beratende Mitglieder können man ja berufen.
00:41:11: Da sehe ich kein grundsätzliches Problem.
00:41:13: Wenn es ein beratender funktioniert, sehe ich kein grundsätzliches Problem.
00:41:17: Weil dann hätten wir ja zumindest, ich sag mal, lokale Politik, ja schon mal auch mit einer... halten und minderjährigen Perspektive versehen.
00:41:26: Genau.
00:41:26: Und das ist ja schon da, also das müssen wir jetzt gar nicht neu schaffen.
00:41:30: Also, es geht ja immer wieder um diese Instrumente, also, dass man Kinder und Jugendliche in die Position bringt, ihn tatsächlich zuzuhören.
00:41:37: Das könnte, wenn das formalrestig klappt, ich bin kein Rössener, wenn das formalrestig klappt, ist das ein Weg, den man gehen kann.
00:41:45: Okay, dann hoffen wir mal, dass die kommunalen Spitzen uns jetzt hier auch zum Teil zugehört haben und vielleicht prüfen die das mal, inwieweit das ein schönes Instrument sein könnte.
00:41:57: Sebastian Kutenbach, vielen Dank für deine Zeit.
00:42:00: Das war sehr, sehr schön, hat mir viel Spaß gemacht.
00:42:03: Und natürlich an alle Zuhörenden, danke fürs Hinhören.
00:42:07: Danke.
00:42:14: Mit Katinka Beckmann.
00:42:16: Damit wir alle besser hinhören und mehr verstehen.
00:42:20: Wollen Sie mehr hinhören?
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00:42:27: Und unter kinderschutz-mios-podcast.de.