00:00:00: Kinder-Schutz Podcast.
00:00:02: Wir hören von den Menschen, die Kinder und Jugendliche schätzen, schützen und starten.
00:00:08: Wir schauen in die Schubladen, die sonst geschlossen bleiben.
00:00:11: Wir liefern wertvolle Informationen und Tipps damit wir hinhören.
00:00:16: der Kinderschutz Podcast.
00:00:20: Liebe Zuhörenden bevor wir mit dieser Folge starten ein kleiner Hinweis leider ist von Frau Mavrak, die bei mir zu Gast war in dieser Folge.
00:00:34: Verschwunden und wir haben nachvertont.
00:00:37: also wundern sie sich nicht wenn es an der ein oder anderen Stelle sich etwas holprig anhört?
00:00:43: Der Inhalt ist da!
00:00:45: Die Sprache haben wir nachgeholt.
00:00:48: Und jetzt viel Spaß.
00:00:50: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge des Kinderschutz Podcasts.
00:00:55: Was macht eigentlich ein Frauenhaus?
00:00:58: In dieser Folge gehen wir genau diese Frage nach und vor allem auch welche Aufgaben übernehmen die Fachkräfte in einem Frauenhaus.
00:01:09: Viele Menschen wissen natürlich, dass Frauenhäuser Schutzräume für Frauen und ihre Kinder bieten, die von häuslicher Gewalt betroffen sind.
00:01:18: doch ich glaube hinter den Türen passiert noch ziemlich viel mehr Und darum geht es heute.
00:01:24: Bei mir ist die Geschäftsführerin des Mannheimer Frauenhaus als Verein organisiert, Maria Mavrak.
00:01:32: Liebe Frau Mavraak, herzlich willkommen und freu mich, dass Sie da sind!
00:01:36: Guten
00:01:36: Tag.
00:01:36: Ich freue mich ebenfalls sehr hier zu sein.
00:01:39: Ja ich habe gerade eben erzählt ... Ich hab über einen TV-Beitrag, wo's dann auch um das Frauenhaus ging, hab ich irgendwie von Ihnen Kenntnis erlangt.
00:01:51: Da würde ich gerne mal mehr erfahren.
00:01:53: Und ich glaube, unsere Ehrenvorsitzende, die jetzt vor knapp zwei Jahren verstorben ist, würde sich sehr freuen über das Gespräch, weil sie war als damalige Sozialministerin in Baden-Württemberg ganz vorne dabei das Thema Frauenhäuser und Unterstützung von Frauenhäusern ausbauen
00:02:13: usw.,
00:02:15: nach vorne zu bringen.
00:02:16: Das war ihr Kernthema Barbara Schäfer Wiegandt schon viele Jahre her.
00:02:21: Und ich glaube, sie würde sich besonders freuen weil das tatsächlich auch immer ihr Herzensthema war und von daher freue ich mich aber auch den Zuhörenden ein bisschen mehr zu dem Thema natürlich auch zu vermitteln.
00:02:34: Und ich weiß auch aus der Vergangenheit, deswegen ist es ja wunderbar dass wir uns auch online treffen.
00:02:39: Wir hätten uns real natürlich gar nicht treffen können und das ist auch gut so.
00:02:46: aber trotzdem freue ich mich, dass wir jetzt per Video sehen.
00:02:50: Es gibt glaube ich Sozialwissenschaftlerin Frau Maafrack, dass sie ein bisschen bitte auch noch kennenlernen was ich lesen konnte.
00:02:59: Sie haben eine der intensive Verbindung zu den Themen Flucht, Integration.
00:03:06: Und da würde mich natürlich schon interessieren, wo kommen Sie her?
00:03:10: Was haben sie für Themen schon bearbeitet in Ihrem Beruf und warum sind Sie jetzt sozusagen erst seit im Juni im Frauenhaus in Mannheim?
00:03:23: Rein biografisch habe ich eine Verbindung zum Thema Flucht und Integration.
00:03:28: Ich komme aus dem ehemaligen Jugoslawien und ich bin zwei neunzig, als dort der Krieg begann im Alter von zehn Jahren mit meiner Familie nach Deutschland gekommen.
00:03:38: Als Kriegsflüchtling!
00:03:40: Ich habe daher am eigenen Leib erfahren welche Schwierigkeiten Herausforderungen und Komplikation es gibt.
00:03:47: Besonders am Anfang.
00:03:48: für ein Kind sind die deutsche Sprache aber auch die Bürokratie und das Ausländerrecht große Hürden.
00:03:56: Dieses Thema hat mich mein ganzes Leben in Deutschland begleitet, zumal wir relativ lange gebraucht haben um einen gesicherten Aufenthalt zu erhalten.
00:04:06: Das hat mich letztlich auch dazu bewogen ein Studium in den Sozialwissenschaften aufzunehmen.
00:04:11: Dabei geht es einerseits darum den Menschen zu verstehen Also warum er etwas tut, andererseits weiß mein Anspruch aus Strukturen zu verändern oder zu beeinflussen damit es sowohl für die Gesellschaft insgesamt als auch für den Einzelnen besser wird.
00:04:28: Nach meinem Studium habe ich mich jedoch entschieden lieber praktisch stetig zu sein.
00:04:33: Deshalb bin ich in die soziale Arbeit gegangen.
00:04:36: Sehr große Erfahrungen habe ich in Mannheim im Jungbusch gesammelt.
00:04:41: Dort habe ich in einer Beratungsstelle für Zuwanderer aus Südosteuropa begonnen, vor allem für Menschen aus Bulgarien und Rumänien.
00:04:50: Das war damals ein sehr herausforderndes Thema weil es im Zuge der EU-Osterweiterung zwar eine Freizügigkeit für diese beiden Länder gab die jedoch eingeschränkt war.
00:05:01: Die Menschen hatten nicht die vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit sondern konnten sich zunächst nur selbständig machen.
00:05:09: In diesem Bereich habe ich sehr lange gearbeitet.
00:05:12: Parallel dazu war ich beim Karitasobahn Mannheim in der Migrations- und Sozialberatung tätig, sowie in der muttersprachlichen Beratung für Menschen aus dem ehemaligen Yugoslawien.
00:05:24: Ich bin also schon sehr früh mit den Themen Migration und Integration in Berührung gekommen Und mir die Frage wie Wege gestaltet werden müssen damit Integration in Deutschland gut gelingen kann.
00:05:38: Gleichzeitig ging es auch darum, auf Probleme hinzuweisen mit den Menschen in dieser Situation konfrontiert zu sein.
00:05:46: Integration
00:05:46: ist ja glaube ich das richtige Stichwort was ja auch wahrscheinlich Teil ihrer Aufgabe jetzt ist nämlich Frauen die die Schutz suchen eben nicht nur in akuten Not und Gefahrensituationen aufzunehmen ihnen Schutzraum zu beten sondern ihnen natürlich auch zu helfen sich Ja, ich weiß nicht ob Integration da der richtige Begriff ist.
00:06:09: Aber einfach auch wieder in ein geordnetes gutes sicheres Leben wahrscheinlich zurückzukehren und Endeffekt wieder sich integrieren kann man fast sagen.
00:06:19: In gewisser Hinsicht kann man das durchaus so sagen die Frauen und Kinder beginnen oft noch einmal ganz von vorne.
00:06:27: Das bedeutet häufig auch, dass sie an einem anderen Ort untergebracht sind und dort neue Strukturen kennenlernen müssen.
00:06:35: Gleichzeitig geht es darum sich selbst neu kennenzulernen.
00:06:39: Welche Talente habe ich?
00:06:40: Wo liegen meine Stärken und
00:06:42: Schwächen?".
00:06:43: Und dennoch müssen Sie all das bewältigen was zum Alltag eines erwachsenen Menschen
00:06:48: gehört.".
00:06:49: Und da gehen wir ja ein bisschen tiefer wahrscheinlich noch rein – und das natürlich immer oder in den meisten Fällen mit einem Kind an der Seite, die ja entweder direkt oder auch mittelbar oder unmittelbar dann auch von Gewalt zum Beispiel betroffen sind.
00:07:06: Das ist ja ... Ich glaube das vergisst man vielleicht im ersten Schritt auch, wenn man an einen Frauenhaus denkt, dass man denkt naja da finden jetzt Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt z.B.
00:07:19: wurden aber es sind ja auch die Kinder noch dabei, die ihr vielleicht alles mitbekommen haben vielleicht eben nicht direkt vom Gewalt betroffen waren oder auch doch.
00:07:33: Ja, also es ist ja die Ganzheitlichkeit, die Sie da immer im Blick haben.
00:07:37: Definitiv!
00:07:39: Man muss sich nur die Zahlen anschauen.
00:07:41: Im Mannheimer Frauenhaus haben wir beispielsweise vierzehn Plätze für Frauen und neunzehnt Plätze for Kinder.
00:07:49: Das zeigt deutlich dass zahlenmäßig mehr Kinder betroffen sind.
00:07:53: wenn ihre Mütter sich für einen neuen Weg entscheiden
00:07:55: wäre ja eigentlich spannend die Frage, wieso heißt es nicht Frauen und Kinderhaus?
00:08:01: Wenn ich jetzt diese Zahlen auch höre.
00:08:03: Wieso heißt das nur Frauenhaus?
00:08:05: Weil Frauen auch ohne Kinder kommen können.
00:08:09: Deshalb hat man sich ursprünglich auf die Frauen konzentriert vermutlich auch mit den Gedanken dass Kinder ohnehin häufig mitkommen.
00:08:18: Ja, ich find's nur gerade spannend an der Stelle wir reden ja immer Kindern Augenhöhe zu begegnen, sie einzubeziehen.
00:08:26: Sie sind betroffen von dem was passiert oder passiert ist und trotzdem werden sie nicht erwähnt.
00:08:38: Ich finde den Gedanken eigentlich spannend mag ja viele Gründe geben.
00:08:43: vielleicht würde man denken dann denkt jeder Da kommen jetzt Kinder hin mit allen ...
00:08:48: Kinder können ohne eine Bezugsperson in der Regel die Mutter nicht aufgenommen werden.
00:08:54: Dann wäre das Jugendamt zuständig.
00:08:57: Würde man es Frauen und Kinderschutzhaus nennen, könnte der Eindruck entstehen, dass auch Kinder ohne Begleitpersonen aufgenommen wären?
00:09:04: Das ist jedoch nicht unsere Aufgabe!
00:09:07: Haben Sie völlig recht.
00:09:07: ja, das sind's die sinnvolle Erklärung glaube ich.
00:09:13: Aber vielleicht wärs ganz spannend Also nicht nur für mich, sondern auch für alle die zuhören.
00:09:21: Den Ablauf vielleicht noch gar nicht so richtig kennen.
00:09:26: Vielleicht wollen Sie mal ein bisschen skizzieren?
00:09:28: Vielleicht haben sie auch einen fiktiven Fall, sage ich jetzt mal ... Wie beginnt das?
00:09:35: Wie bekommen Sie mit, dass eine Frau mit oder ohne Kind Hilfe sucht und ... Wie geht es dann weiter?
00:09:42: Und vielleicht auch wie lange bleiben die, dass immer so ein skizzierendes Wert holt.
00:09:47: Tatsächlich hatte ich erst letzte Woche einen Fall in dem ich persönlich angerufen wurde.
00:09:54: Das passiert eher selten da meine Telefonnummer nicht die erste Anlaufstelle ist.
00:09:59: Es gibt eine zentrale bekannte Telefon-Nummer unter der Hilferufe bei uns eingehen.
00:10:05: Ich habe die Anruferin auf diesen regulären Weg verwiesen.
00:10:09: In der Regel Rufen entweder die betroffene Frau selbst an oder eine Person aus ihrem Umfeld, die ihr helfen möchte.
00:10:18: Bis fünfzehn Uhr sind wir vor Ort erreichbar.
00:10:20: in der Zeit übernehmen die Sozialpädagoginnen die Gespräche.
00:10:25: Sie haben jeweils bestimmte Zuständigkeitsbereiche.
00:10:29: Für eine Aufnahme müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein vorausgesetzt es ist überhaupt ein Platz frei.
00:10:36: Wenn kein Platz vorhanden ist, versuchen wir natürlich eine Unterbringung in einer anderen Einrichtung in der Nähe zu organisieren.
00:11:07: Also quasi, wenn ich da einhaken darf so aus Aufnahmeeinrichtungen oder Ähnliches zum Beispiel auch.
00:11:14: Wo man ja durchaus Gewalt stattfindet dass die Frauen hätten überhaupt keine Möglichkeit in den Frauenhaus zu kommen aktuell
00:11:22: Ja das ist leider so.
00:11:25: Wenn ihr doch alle Voraussetzungen erfüllt sind wird vereinbart wann die Frau kommt.
00:11:30: manchmal sofort findet die Aufnahme während der regulären Arbeitszeit statt, übernehmen das die Sozialpädagoginnen.
00:11:38: Aushalb dieser Zeiten gibt es eine Rufbereitschaft von zwanzig Uhr bis sechs Uhr morgens.
00:11:45: Die Kolleginnen führen dann die Erstaufnahme durch, weisen ein Zimmer zu und am nächsten Werktag nehmen die Sozialarbeiterinnen erneut Kontakt auf um die Situation genauer zu besprechen.
00:11:58: Es ist doch bestimmt wenn jetzt die Frau anruft kriegt sie wahrscheinlich auch als erstes gesagt, du bekommst jetzt die Adresse von mir.
00:12:09: Aber achte da drauf!
00:12:11: Das ist der Mann-Freund Täter wie auch immer nicht mitbekommt.
00:12:18: Also das wäre ja für alle dann ein Drama wenn die Adressen bekannt werden würde.
00:12:28: könnte ich mir vorstellen, wo man dann als erstes wahrscheinlich klärt oder?
00:12:31: Ja solche Sicherheitsaspekte werden im Vorfeld unbedingt besprochen zum Schutz des gesamten Hauses aber vor allem zum Schutz der Frauen und Kinder.
00:12:41: Und kann man so pauschal sagen wie lange ein Aufenthalt gegebenenfalls dauert?
00:12:48: es wird individuell sein vielleicht.
00:12:51: Das ist sehr individuell.
00:12:53: In den ersten Wochen treffen viele Frauen eine grundlegende Entscheidung, entweder bleiben sie und beginnen sich aktiv mit ihrer Situation auseinanderzusetzen und ein neues Leben zu gestalten oder sie kehren leider wieder zurück.
00:13:07: Frauen die sich entscheiden zu bleiben können bis zu einem Jahr im Frauenhaus wohnen.
00:13:12: das hängt unter anderem in den angespannten Wohnungsmarkt zusammen.
00:13:17: auch in Mannheim ist es sehr schwierig bezahlbaren Wohnraum zu finden.
00:13:21: Gebe es mehr Wohnungen, wäre die Aufenthaltsdauer oft kürzer.
00:13:25: Viele Frauen gehen tatsächlich wohlwissend was wahrscheinlich wieder auf sie zukommt in die Wohnung zum Beispiel zurück.
00:13:35: Das ist wahrscheinlich schon öfters der Fall nämlich an oder?
00:13:38: Ja das kommt vor!
00:13:41: Eine genaue Prozentsahl kann ich allerdings nicht nennen
00:13:44: Aber dann ist es eben wahrscheinlich die freie Entscheidung, wo sie auch nicht sagen.
00:13:49: Und du musst hier bleiben sowieso nicht ...
00:13:51: Genau!
00:13:52: Die Aufnahme und der Aufenthalt beruhen auf Freiwilligkeit.
00:13:56: Wir bieten Begleitung und führen Gespräche wenn wir merken dass Frauen unsicher werden aber eine Entscheidung können wir ihnen nicht abnehmen
00:14:04: wäre ja auch ne spannende Frage.
00:14:07: Also Sie sehen, ich frage wirklich aus Ihrem Presseweis auch einfach nicht weiß.
00:14:10: Aber wenn jetzt ein Kind dabei ist und sozusagen wäre es ja auch so dass man sehenden Augers auch das Kind wieder in diese Situation entlässt haben sie da keine Hand?
00:14:22: habe dann wiederum mit dem Jugendamt zum Beispiel zu sagen also wir können jetzt nicht verantworten dass diese Frau wo das kind direkt oder auch sekundär victimisiert ist sozusagen zurückgeht finde ich eigentlich schwierig.
00:14:39: Letztlich liegt diese Entscheidung nicht bei uns, die Frage einer möglichen Kindeswohlgefährdung obliegt dem Jugendamt.
00:14:47: Dabei spielen auch Aspekte wie das Umgangsrecht eine Rolle – das ist häufig ein sehr komplexes und strittiges Thema.
00:14:54: Gerade weil Kinder oft nicht unmittelbar körperlich von Gewalt betroffen sind, ist die Bewertung manchmal schwierig.
00:15:02: Vielleicht ist es wichtig zu wissen, neben dem Frauenhaus betreiben wir auch einen Fraueninformationszentrum.
00:15:09: Wir haben also zwei Einrichtungen in Mannheim und dort gibt es eine Beratungs- bzw.
00:15:14: Clearingstelle.
00:15:16: In bestimmten Fällen beauftragt uns auch die Polizei etwa nach einem Platzverweis mit einer Beratung Wenn jemand aus der Wohnung verwiesen wurde sprechen darüber, was diese Situation bedeutet und welche nächsten Schritte möglich sind.
00:15:33: Grundsätzlich können sich in dieser Beratungsstelle alle Frauen melden die Fragen zum Thema Gewalt oder zu problematischen beziehungsweise ungesunden Beziehungen haben.
00:15:43: Dann bleiben sie ja da dran und entweder kommen die vielleicht sogar ins Frauenhaus oder gibt es dann auch längerfristige Beratung außerhalb des Frauenhauses?
00:15:51: Oder ist das jetzt eher nicht ihre Aufgabe für die Frauen?
00:15:55: Ein Team betreut die Frauen im Frauenhaus, ein anderes berät Frauen, die unabhängig davon Unterstützung oder Orientierung benötigen.
00:16:04: Dazu gehört zum Beispiel auch das Thema Stalking.
00:16:08: Das habe ich jetzt auch gelesen, weil wir uns ja immer mehr um das Thema digitale Gewalt kümmern.
00:16:18: Das hatte ich jetzt tatsächlich nicht im ersten Schritt.
00:16:21: dann als einen Ein Grund für einen Aufenthalt im Frauenhaus hätte ich jetzt nicht im ersten Schritt so wahrgenommen.
00:16:33: Ist das wirklich ein Thema, dass man sagt Frauen erfahren digitale Gewalt und dann geht es ins Frauenhaus?
00:16:42: Eher für die Beratungsstelle als für das Frauenhaus selbst?
00:16:46: Es kommt jedoch auf die Form der digitalen Gewalt an.
00:16:49: Digitale Gewalt ist ein sehr komplexes Feld.
00:16:52: Sie belastet die Betroffenen stark und ist schwer zu kontrollieren, weil heute vieles Online stattfindet.
00:16:58: Jeder ist erreichbar, jeder hat Zugang zur digitalen Medien.
00:17:02: Ja aber was sind so?
00:17:05: vielleicht?
00:17:05: das ist ja vielleicht auch nochmal spannend oder vor allem wichtig zu wissen?
00:17:11: Wo Sie sagen, hat sich da auch in den letzten Jahren vielleicht was verändert.
00:17:15: Im Sinne von ... Was sind die Themen, die vornehmlich die Frauen mitbringen?
00:17:23: Ist es körperliche Gewalt nach wie vor oder hat sich etwas verändert?
00:17:33: Häusliche Gewalte als solche ist weiterhin präsent.
00:17:36: Sie hat sich im Kern nicht verändert!
00:17:39: Allerdings sind die Themen in den Beratungsstellen komplexer geworden.
00:17:43: Wir arbeiten zunehmend präventiv, zum Beispiel in Schulen.
00:17:47: Dort geht es um Fragen wie wann beginnt Gewalt überhaupt?
00:17:51: Ist das schon Gewalt wenn mich jemand beleidigt oder wenn ich ungefragt in Themen Fotos zugeschickt bekomme?
00:17:58: Wo kann ich Hilfe bekommen?
00:17:59: Was kann ich anzeigen?
00:18:01: Wann befinde ich mich in einer toxischen Beziehung?
00:18:06: Ich denke, wir haben heute sehr viel Wissen und gleichzeitig führt genau das manchmal zu mehr Unsicherheit.
00:18:13: Die entscheidende Frage ist nicht nur Ist etwas akzeptabel?
00:18:18: Sondern will ich es akzeptieren?
00:18:21: Gerade jungen Menschen muss vermittelt werden was sie aushalten müssen Und was Sie nicht aushalten müssen.
00:18:28: Ja da könnte man jetzt noch eine große Diskussion aufmachen mit Auch gerade jetzt auch junge Frauen, die in Zeiten von KI und sozusagen immer mehr ... In der digitalen Welt aufwachsen.
00:18:49: Wie kann ich überhaupt noch Dinge einschätzen?
00:18:51: Was ist richtig, was ist falsch?
00:18:53: Wenn schon der normale menschliche Kontakt immer schwieriger wird und irgendwie alles nur noch digital und vielleicht dann auch mit falschen.
00:19:03: mit Falschen und Gefägten.
00:19:07: Ja, die Person will mich nicht sagen stattfindet.
00:19:12: Auch hier geht es vor allem darum Kinder zu stärken.
00:19:16: Sie müssen lernen ihren eigenen Kopf zu benutzen und Grenzen zu erkennen.
00:19:21: Dabei geht es nicht nur um die Eltern sondern auch um soziale Beziehungen im weiteren Umfeld.
00:19:27: Kinder werden älter, knüpfen Kontakte und müssen frühzeitig erkennen können welche Beziehungen ihnen gut tun.
00:19:34: Und welcher eben auch nicht?
00:19:36: Das würde mich auch interessieren.
00:19:37: ich meine sie ist ja die Schutzfunktion eines Frauenhauses ist das eine?
00:19:43: Sie haben die externe Beratungsstelle aber sie arbeiten ja auch mit den Frauen die im Frauenhaus leben.
00:19:51: Frage Aber auch getrennt glaube ich so habe ich das früher schon erfahren, auch mit den Kindern.
00:19:57: dass mit den Kindern gearbeitet wird, je nach Alter wahrscheinlich.
00:20:03: Wir haben einen abgetrennten Kinderbereich.
00:20:05: dieser erfüllt zwei wichtige Funktionen.
00:20:08: Zum einen erhalten die Mütter dadurch Raum für sich selbst zum Beispiel für Beratungsgespräche oder Termine ohne gleichzeitig die Kinder betreuen zu müssen und zum anderen bekommen die Kinder ein geschützten Raum in dem sie sich möglich normal entwickeln können also einfach kind sein dürfen.
00:20:27: Dort betreuen wir vor allem Kinder, die noch keinen Kindergarten oder Schulplatz haben oder dafür noch zu jung sind.
00:20:34: Gleichzeitig versuchen wir, die Kinder so früh wie möglich in das reguläre System zu integrieren – das raten wir auch den Müttern!
00:20:43: Denn dadurch erhalten die Kinder zusätzliche stabilisierende Strukturen.
00:20:49: Im Kinderbereich können Sie Spielen, Hausaufgaben machen und an verschiedenen Angeboten teilnehmen.
00:20:54: Es gibt auch einen kleinen Außenbereich.
00:20:58: Aber auch psychische Betreuung je nachdem was die Kinder erlebt haben, auch therapeutisch findet da auch etwas statt.
00:21:07: Das können wir selbst nicht leisten.
00:21:10: In solchen Fällen versuchen wir, externe Unterstützung zu organisieren.
00:21:14: Wir setzen uns sehr dafür ein dass es mehr entsprechende Angebote gibt.
00:21:19: Kinder erleben Gewalt definitiv mit auch wenn sie nicht direkt betroffen sind.
00:21:25: Ich hoffe das sich im Zuge des Gewalthilfegesetzes hier Verbesserungen ergeben.
00:21:30: Aber das ist ja wirklich fatal, wenn man die Kinder schon hat und weiß was sie miterlebt haben.
00:21:40: Gibt es ja keine bessere Prävention im Sinne von ... Ja also im schlimmsten Fall dass Kinder ja auch selbst dann irgendwann mal gegebenenfalls zum Täter, Täterinnen werden, da frühzeitig einfach zu arbeiten bei Präventions?
00:21:59: Wir haben ja auch viele Präventionsprogramme.
00:22:01: Wissen wir, wenn denn eigentlich nicht erreicht es jetzt?
00:22:05: Erreicht das nicht?
00:22:06: Natürlich gibt es Untersuchungen, dass es sehr wohl wichtig und richtig ist, Prävention zu betreiben.
00:22:14: Aber jetzt hat man – Sie hatten uns jetzt gesagt – vierzehn Frauen und neunzehn Kinder!
00:22:21: mit Sicherheit nicht fröhlich bunt wie Pipi Langstrumpfen durch die Welt gehen und alles kunterbund und lustig ist.
00:22:30: Und kann mit ihnen eigentlich nur spielen, gucken dass sie einigermaßen eine gute Zeit haben aber man arbeitet die Themen nicht auf.
00:22:42: das ist eigentlich
00:22:43: total.
00:22:43: Momentan ist es so, dass Familien selbst einen kinderpsychologischen Platz suchen müssen?
00:22:49: Und Sie wissen ja, wie schwierig es ist dafür Termine zu bekommen.
00:22:53: Ja, aber
00:22:56: Sie sehen das man kommt dann immer.
00:22:57: ich komme halt immer wieder auf die Kinder auch zurück und ich glaube da gibt's...
00:23:03: Das stimmt!
00:23:04: Wir kümmern uns darum dass externe Betreuung organisiert wird.
00:23:08: Aber damit kommen wir wieder zur Frage vom Anfang Frauenhaus oder Frauen- und Kinderhaus?
00:23:17: Gibt's da auch ... ähm, scheinbar die Frauenhäuser untereinander?
00:23:23: Weiß ich nicht wie viele es in Deutschland gibt.
00:23:25: Da gibt das doch sicherlich auch ein Verbund und man tauscht sich aus.
00:23:29: Gibt´s da?
00:23:30: ist die Interessenvertretung stark genug um zum Beispiel so'n Thema ob bei der Politik zu platzieren oder...
00:23:38: Ja wir stehen im Austausch.
00:23:40: durch das Gewalthilfegesetz dass auf Bundesebene beschlossen wurde besteht die Hoffnung auf Veränderungen.
00:23:47: Allerdings muss man immer bedenken, dass wir auf Zuschüsse und eine gesicherte Finanzierung angewiesen sind.
00:23:54: Häufig geht es darum Frauen möglichst schnell wieder in das reguläre System zu integrieren.
00:23:59: Bei Kindern wird oft angenommen, dass mit der Rückkehr in Kindergarten oder Schule alles wieder in Ordnung ist.
00:24:06: Ich glaube jedoch nicht, dass das ausreicht.
00:24:09: Meiner Meinung nach müsste deutlich mehr in Kinder investiert werden.
00:24:13: Unabhängig davon, ob sie Gewalt erfahren haben oder nicht.
00:24:18: Wenn Kindergewalt erlebt haben, gilt das umso mehr?
00:24:22: Das ist sehr unstrittig, dass das sein müsste.
00:24:26: Aber Sie haben was angesprochen, die öffentliche Finanzierung.
00:24:30: man hört ja immer wieder es gibt zu wenig Plätze.
00:24:34: Ist die Situation immer noch so ... Jetzt nicht speziell Mannheim, aber generell in Deutschland.
00:24:42: Dass einfach viel zu wenig Plätze vorgehalten werden können.
00:24:48: und was ist eigentlich die Konsequenz dann da draus?
00:24:52: Derzeit laufen tatsächlich verschiedene Umfragen und Analysen.
00:24:56: Es ist nicht ganz eindeutig ob tatsächlich insgesamt zu wenige Plätze vorkommen sind oder ob die Verteilung problematisch ist.
00:25:04: es gibt jedoch ein deutliches statt Landgefälle.
00:25:07: Ich denke dennoch, dass grundsätzlich ein Mangel besteht.
00:25:11: Sowohl in Baden-Württemberg als auch bundesweit wird aktuell der Status quo analysiert um darauf aufbauen neue Frauenhäuser zu planen und zu bauen.
00:25:21: Was würden Sie sagen?
00:25:23: Wenn die Plätze jetzt vielleicht gar nicht das ... Man denkt immer also das war so bei mir im Erplatzmangel ist das Hauptproblem.
00:25:32: aber was sind aus Ihrer Sicht so die Hauptherausforderungen?
00:25:35: Vielleicht auch mit Blick Hätte ich mir gedacht, auch mit Blick auf die Mitarbeitenden.
00:25:41: Finden Sie genug Personal?
00:25:44: Es können ja in dem Fall nur Frauen sein.
00:25:49: Gut in sozialen Berufen ist das dann wieder ein kleiner Vorteil wahrscheinlich.
00:25:56: Aber was sind Ihre Herausforderungen, die so wichtig wären damit ... ihre Arbeit noch effizienter besser vielleicht funktionieren kann.
00:26:05: Das ist eine schwierige Frage!
00:26:08: Ich bin noch nicht sehr lange in dieser Position, mein Herz schlägt zu sehr für diese Arbeit vor allem für die Kinder aber natürlich auch für die Frauen.
00:26:18: ein großes gesamtgesellschaftliches Problem ist aus meiner Sicht die Wohnungsnot.
00:26:24: bezahlbarer Wohnraum fehlt vielerorts.
00:26:27: Es gibt zwar Wohnungen, aber sie sind oft so teuer dass selbst gut verdienen der Schwierigkeiten haben sie zu finanzieren.
00:26:35: Könnte man dieses Problem lösen würden Frauen häufig nicht solange im Frauenhaus bleiben müssen?
00:26:41: Denn der Aufenthalt ist zwar ein wichtiges Schutz- und Übergangssystem Aber letztlich geht es darum ein neues Leben zu beginnen.
00:26:50: Im Frauenhaus befinden sich die Frauen gewissermaßen in einer Art Vakuum.
00:26:55: Dieses Vakum ist wichtig, weil es Schutz bietet.
00:26:59: Gleichzeitig geht das aber darum, dass sie wieder ins Leben zurückfinden und einen neuen Anfang machen können.
00:27:06: Eine konkrete Herausforderung für uns ist derzeit, dass wir voraussichtlich in ein neues Haus umziehen werden.
00:27:13: Dort wird es barriereärmere Strukturen.
00:27:17: Was das Personal betrifft, ist die Situation aktuell nicht dramatisch.
00:27:21: Allerdings dauert es häufig bis Stellen neu besetzt werden können.
00:27:25: Viele Fachkräfte sind bereits in anderen Einrichtungen tätig.
00:27:29: Man wirbt sich das Personal gewissermaßen gegenseitig ab.
00:27:34: Ich gehe außerdem davon aus dass das Gewalthilfegesetz neue Herausforderung mit sich bringen wird etwa in Bezug auf Finanzierung oder Zielgruppen.
00:27:44: Ich hoffe jedoch, dass wir diese Veränderungen gut bewältigen können.
00:27:48: Wünschenswert wäre auch ein besserer Personalschlüssel denn die Betreuung von Frauen und Kindern ist sehr intensiv.
00:27:55: Diese Arbeit hinterlässt Spuren – auch bei den Fachkräften.
00:28:00: Selbst wenn man sich gut abgrenzt bleibt das Thema belastend.
00:28:04: deshalb ist es wichtig auf die Mitarbeitenden zu achten um Überlastung zu vermeiden.
00:28:12: Ein wichtiges Thema, gerade was wir vorhin gesagt haben mit den Problemen auch für die Kinder vielleicht zum Beispiel nicht genügend tun zu können.
00:28:22: Das schmerzt ja und so was nimmt man dann auch mit nach Hause sehenden Auges einfach zu sagen man entlässt jetzt oder eine Frau geht mit zwei Kindern am Arm und man weiß in welche Situation sie zurückkommen?
00:28:40: Ja, insofern kann man die Arbeit nicht hoch genug wertschätzen und finde ich wirklich total wichtig was sie tun.
00:28:53: Ich habe mir im Vorfeld überlegt eigentlich ist es ja auch ein Dilemma und von daher bin ganz froh dass wir einfach sprechen und vielleicht wieder den oder die einen oder andere Zuhörende erreichen dieses Dilema zwischen Schutzraum, der nicht bekannt ist und versteckt sein müssen.
00:29:15: Und auch aktiver Öffentlichkeitsarbeit also ist wahrscheinlich auch so ein Thema muss ich sagen.
00:29:22: vielleicht würde es uns auch gut tun wenn wir mehr in der Öffentlichkeit wären habe Ich mich gefragt oder ich frage jetzt sie Ist das ein thema?
00:29:31: sagen auch eigentlich wäre es gut Wenn man mehr von uns wüsste noch ein höheres Bewusstsein für uns da wäre.
00:29:40: Ich bin froh, sagen zu können dass sowohl unser Vorstand das auch die Mitarbeitenden sehr aktiv in der Öffentlichkeitsarbeit sind.
00:29:48: Wir sind gut vernetzt und versuchen bewusst sein für die Problematik zu schaffen Sowohl gesellschaftlich als auch in Bezug auf Finanzierung.
00:29:56: Natürlich kann man immer noch mehr tun.
00:30:00: Auch wenn die Hilfe anonym erfolgt sind wir als Einrichtung sichtbar und engagieren uns öffentlich.
00:30:06: Mein Team und der Vorstand bringen viele Ideen ein.
00:30:09: Und setzen sich dafür ein, dass wir präsent
00:30:11: sind.".
00:30:12: Ja toll!
00:30:14: Super!
00:30:17: Ein tolles Beispiel was sie da liefern echt toll.
00:30:27: Mir ist wichtig deutlich zu machen das es dieses Angebot für Frauen und Kinder gibt die von häuslicher Gewalt betroffen sind.
00:30:36: Wir bieten Schutz und unterstützen dabei neue Wege zu gehen.
00:30:40: Gleichzeitig ist es mir wichtig, öffentlich auf das Problem aufmerksamzumachen.
00:30:45: Dabei sollte der Fokus nicht nur auf den Betroffenen liegen sondern auch auf präventiver Täterarbeit.
00:30:52: Wir müssen bei jüngeren Generationen ansetzen und vermitteln was gesunde Beziehungen ausmacht.
00:30:59: Es geht nicht nur darum Schutzräume zu schaffen sondern auch darum, Bedingungen zu schaffen unter denen Schutz gar nicht erst notwendig wird.
00:31:08: Ich glaube es gibt kein besseres Schlusswort.
00:31:13: Lieber Maria Mavrak als Geschäftsführerin vom Mannheimer Frauenhaus ein tolles Beispiel wie gute Frauenhausarbeit geleistet wird in Deutschland.
00:31:27: Ich möchte mich ganz herzlich bedanken für das tolle Gespräch und Ihnen, liebe Zuhörende, einfach diesen Impuls mitgeben.
00:31:38: Und danke, dass Sie hingehört haben!
00:31:41: Das war der Kinderschutz-Podcast der Deutschen Kinderschutzzchriftung Hänsel & Gretl – Mit Jerome Bauen Damit wir alle besser hinhören und mehr verstehen.
00:31:53: Wollen sie mehr hinhöhren?
00:31:55: dann abonnieren Sie unseren Kinderschutz-Podcast überall da, wo es Podcasts gibt und unter kinderschutzminuspodcast.de.